Zur Installation "Phönix", 2019

Im 8-eckigen Innenraum schwebt ein Wesen, das einer anderen Zeitrechnung zu entstammen scheint. Es setzt sich aus Dingen des Alltags zusammen, die eine labile Balance besitzen. Die Gegenstände verweisen auf die Vergänglichkeit des Moments: Gesammeltes, Verschnürtes, Zerbrochenes, Technisches, Fetischartiges. Der Phönix zerfällt in viele kleine Teile – und bildet zugleich aus diesen Einzelteilen etwas Ganzes.

Video- und Tonelemente erzeugen einen wiederkehrenden Ablauf – Ein Wechsel von Einschlafen und Erwachen, Verstummen und Singen entsteht.

Der Phönix – der Wiedergeborene - ist ein Vogel aus der ägyptischen und hellenistischen Mythologie, der am Abend stirbt, um bei Sonnenaufgang neu zu erstehen. Laut Heredot erscheint er in Ägypten nur alle 500 Jahre – also in für uns kaum vorstellbaren Zeitabständen. In der Installation vermischen sich verschiedene Zeitebenen: Die vergänglichen Objekte der Gegenwart, der 5-Minuten-Rhythmus des Videos, ein mehr als 200 Jahre altes Schlaflied sowie der ewige Zyklus des Phönix. Zeit wird gedehnt, die menschliche Existenz wird relativ.

Die menschliche Wahrnehmung erfasst häufig nur flüchtige Ereignisse – selbst Erinnerungen sind oft vergänglich. Tiere besitzen eine wertfreie Wahrnehmung von Zeit und Raum. Vögel nutzen den Raum auch diagonal, was dem Menschen so nicht gelingt. Im Video entsteht eine Analogie zwischen Mensch und Tier - die Grenzen verschwimmen.

Der Betrachter kann in der Installation gegensätzliche Elemente entdecken. Die Schönheit und die Leichtigkeit der Materialien sowie die Harmlosigkeit der Melodie. Andererseits gibt es Elemente, die diese Harmonie stören: Der Krieg als Thema des Liedes, technische Materialien, die Dreiköpfigkeit des Fantasiewesens. Gegensätze werden gezeigt – und zugleich aufgelöst. Die Installation „Phönix“ ist eine Reaktion auf die schnelllebige Gegenwart. Sie regt dazu an, unsere Handlungen in größeren Zeiträumen wahrzunehmen und zu überdenken.

Christine Hoffmann


Zur Installation "Zweite Ebene", Kubus, Greifswald, 2018

Pferdeschweife, Knochen, Holzstücke, Plastikreste kreisen wie Fetische aus vergangenen Zeiten über Computerdisketten. Die Naturmaterialien scheinen die Speichermedien zu beschwören. So entstehen zwei waagerechte Ebenen, die aber fragil und durchlässig sind.

Ein Wechselspiel aus Schwerem und Leichtem, Bewegung und Ruhe entsteht. Die Arbeit lässt an die labile Balance zwischen Natur und Technik denken. Der Titel "Zweite Ebene spielt an auf die Doppelbödigkeit der Realität: Dinge zerfallen in kleine Teile, setzen sich wieder neu zusammen - sie sind nie statisch

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"Beide Ebenen verweisen auf Prozesse des Bewahrens und der Erinnerung, die von unterschiedlichen Dingen ausgelöst werden können und in ihnen wie auch im Betrachter angelegt sind."

Marcus Schramm in: Katalog Import-Export, Kunsttransfer Osnabrück/ Greifswald, 2018

 

Zur Installation "Schöne neue Welt - Brave new world", kiosk 24 Herford, 2017

Der Raum verwandelt sich in eine Art Forschungslaboratorium. Hybride Wesen aus Ton scheinen über Adern oder Beatmungsschläuche mit einer Nährlösung in Verbindung zu stehen, mit Wärmestrahlern ausgebrütet und in Glasregalen gestapelt zu werden. Projektpläne verweisen auf die genetische Rekombination und das Ausbrüten skurriler Mischwesen.

Die Installation mit den gleichgeschalteten Wesen thematisiert die Manipulation der Natur durch den Menschen. Der Titel spielt an auf den dytopischen Roman “Brave new world” von Aldous Huxley, in dem eine mit Hilfe künstlicher Fortpflanzung und Konditionierung perfekt funktionierende Gesellschaft dargestellt wird.

Die Installation entstand ausgehend von wissenschaftlichen Büchern aus einer Bibliothek von irischen Franziskanermönchen im Rahmen des Projektes LFTT – Library Translation Tours von Angelika Höger und Helen Horgan                                                                   Christine Hoffmann 

 

Zur Installation "Zeitlabor", GzK Osnabrück, 2016 

Die Installation "Zeitlabor" befasst sich mit der Gleichzeitigkeit von persönlichen Erinnerungen und gesellschaftlichen Veränderungen. Private Erinnerungsstücke wie gefleckte Eier, Kreisel oder Blattsamen vollführen in transparenten Kugeln kreisende Bewegungen. Zerschnittene Landkarten von Europa rotieren und hüpfen in verschiedenen Geschwindigkeiten.

Weckgläser, in denen Zeitungsfotografien leuchten, bilden zusammen mit den rotierenden Kugeln einen Strom. Computerlüfter und kleine Getriebemotoren verursachen zudem einen surrenden, teils heulenden Klang. Die wiederkehrenden Bewegungen lassen Relikte einer vergangenen Zeit lebendig werden. Es entsteht ein Prozess von Auflösung und Rekonstruktion – mit ungewissem Ausgang.                                    Christine Hoffmann 

 

Zur Installation „Fetische", 2015

„Alles gerät in Bewegung und in Schwingung - es umkreist die Computerlüfter. Was passiert mit unserer Wahrnehmung in dem Moment? Sie wird beeinflusst und verändert. Mir fällt dabei eine gewisse Parallelität auf: So wie du in deinen Fotografien deutlich gemacht hast, dass die Fotografie unsere Wahrnehmung von Landschaft verändert, so verändert diese Installation unsere Wahrnehmung der Dinge – durch die analoge Übersetzung eines digitalen Mediums.“

„Du stellst die Frage, wie Fotografie unser Verhältnis zur Landschaft prägt und verändert. Deine Fotografien sind die des beobachtenden Reflektierers des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur. So entsteht Fotografie über Fotografie. Die monochromen Farbflächen entwickelten sich durch die digitale Rekonstruktion. Dass wir hier einerseits Landschaft sehen und andererseits Farbflächen, verbinde ich in Gedanken mit der konkreten Kunst. Dort gibt es einen Spannungsmoment: Was zeigt das Konkrete - was kann die Fotografie dagegen erzählerisch bieten? In solchen Bildern denke ich das Fehlende, das Abgedeckte mit. Das Nicht-Zeigen, das Verdecken des fotografischen Abbildes erzeugt so in der Wahrnehmung mehr Aufmerksamkeit als die Fotografie selbst.“

Elisabeth Lumme zur Ausstellung „Natürlich ?!", intervision-studio, Osnabrück 2015


Zur Installation "Netzwerk", 2012

"Die Klanginstallation „Netzwerk“ thematisiert die alle und alles einbeziehende Vernetzung, die sich auf der Grundlage der digitalen Medien weltweit vollzieht. Das von Christine Hoffmann generierte Netzwerk präsentiert sich – flüchtig betrachtet – als unentwirrbares Chaos. Der Eindruck von Absurdität wird verstärkt durch das Wuchern der Elemente im Raum und durch den technisch-bedrohlich anmutenden Klangteppich, den das surrende Geräusch der Computerlüfter und das aus den Lautsprechern tönende Ticken erzeugt.
Doch in dem „Netzwerk“ lassen sich Strukturen erkennen und Spuren verfolgen. Die  so verschiedenartigen Objekte fügen sich sämtlich einer formalen Ordnung und die Bilder in den Lautsprechern, die Gebrauchs- und Alltagsgegenstände einer inhaltlichen Abfolge: Vom Werkzeug und von den Materialien der Künstler, von Naturobjekten und Alltagsgegenständen hin zu industriell technischen Bildern und Objekten.
Die weitgehend real gewordene virtuelle Vernetzung kann als absurd, als Chaos wahrgenommen werden. Doch sie eröffnet zugleich die Chance, Kontakte gezielt zu suchen, einen selbstbestimmten Weg zu verfolgen. Ein über digitale Medien vermittelter Kontakt ist jedoch nicht mehr als eine mediale Anbindung. Das veranschaulichen die Kabel in der Installation. Wie die Objekte hier auf Abstand voneinander gehalten werden, bleiben auch die über das Netz verbundenen Menschen für sich. Wohl möglich, dass aus dieser Isoliertheit heraus Menschen den Drang haben, überall medial dabei zu sein."

Prof. Dr. Martin Damus in: Katalog zum European Media Art Festival, Kunsthalle Osnabrück 2012

 

Zur Installation "Steingesang", 2010

"Steingesang, eine minimalistische, ganz poetische Arbeit. Auch hier der Gegensatz Stein – Natur, Eisen - Kultur, auch hier Bewegung und Klang. Alle Installationen haben auch etwas Leichtes, Spielerisches, Humorvolles und zeigen eine leichte Sehnsucht nach Verlorenem, Verschwundenem."

Hiltrud Schäfer/ Osnabrück, zur Ausstellung "Steingesang", Ostenwalde 2010 

 

Zur Installatiuon "Horizonte", 2010

"Unserer fortschreitenden Entfremdung und Beziehungslosigkeit gegenüber der Natur bzw. der Naturlandschaft stellt die Künstlerin in einer zunächst paradox und befremdlich anmutendenden Kombination und Atmosphäre das bewusste Erleben von Natursystemen entgegen... Aber primär ist es das Nachdenken über die gesellschaftliche Relevanz der Naturzerstörung, die Christine Hoffmanns Arbeiten als einen kritischen und aktuellen Beitrag zum Zeitgeschehen charakterisiert."

André Lindhorst, Leiter der Kunsthalle Dominikanerkirche Osnabrück, in: Katalog "Horizonte - Christine Hoffmann", Osnabrück 2010


Zur Installation "Zelthaus", 2001

"In Christine Hoffmanns Stock-Schatten-Hütte aus dem Jahr 2001 spielen die durch die Zeit, Wind und Wetter verursachten Veränderungen eine in die Arbeit eingerechnete Rolle. Bleiben und Vergehen sind Thema, Flusssteine in Reihe in Beton gelegt bilden das feste beständige Fundament, auf das eine Stabhütte aus Ästen der nahen Bäume gesetzt wurde. So war die Hütte eher eine Zeichnung im Raum als bewohnbar, eher auf der Suche nach der Idee einer Hütte, als einen festen Ort zum Bleiben zu schaffen. Möglicherweise fixierte die Stabhütte auch nur einen Ort, der blieb, nachdem die Äste der Hütte sich im Wetter aufgelöst hatten und der über das Fundament an sich erinnert. An diesem hängt noch die Idee einer Hütte über den Steinen.

Oliver Voigt in: 1998 -2008, 10 Jahre Académie Galan, Galan 2009


Zur Installation "Werbeplätze", 2007

"Garantie lebenslang". Die Botschaft versichert uns materiellen Wert und Nachhaltigkeit, in unbegrenzten Zeitspannen - wer kann das prüfen? Die Natur lebt andere Zeiträume, sie wird den Menschen überdauern. "Sonne downloaden". Die Form unserer Wahrnehmung von Natur und Bild hat Veränderungen erfahren.

Marketing, Werbestrategien sowie der Umgang mit den digitalen Medien durchziehen das Leben in den städtischen Zonen. Die Werbeslogans künden von Verfügbarkeit, Schnelligkeit und Mobilität. In die Natur transportiert, offenbart sich ihr doppelter Boden. Christine Hoffmann arbeitet mit dem Gedächtnis von Mensch und Naturraum."

Dr. Nicola Assmann, Münster in: Katalog „Skulpturenlandschaft Osnabrück“, Osnabrück 2007


Zur Installation "Pixel I", 2006

 "Ihr ästhetischer Abstraktionsprozess initiiert grundlegende Fragestellungen. Beispielsweise lässt die Arbeit an die labile Balance zwischen Mensch und Natur denken. In Hoffmanns Installation äußert sich diese Situation sogar räumlich erfahrbar: Sobald der Ausstellungsbesucher sich der Installation nähert, gerät sie in leichte Schwingungen."

Christel Schulte, M.A., in: Katalog "Arte IV - Wahlverwandtschaften", Osnabrück 2006


Zur Installation "Zeltturm", Kunstverein Greven, 2003

"Seit Längerem beschäftigt Christine Hoffmann das Thema des Nomadenzeltes als Ausdruck von Verortung und gleichzeitiger Beweglichkeit... Die Öffnung zum Himmel wie auch die Durchlässigkeit der Seitenwände ermöglicht ein Durchdringen von Natur und Behausung. Es ist ein tastendes Ausloten der Balance zwischen bergender Geschlossenheit und Offenheit, ein Wechselspiel zwischen Rückzug und Kommunikation, zwischen Begrenzung und Weite.

Sie schafft Umkehrungen von Innen und Außen, holt die offene Natur in Form von Fotografie und Malerei in die geschlossenen Räume, den Himmel zur Erde. Es durchdringen sich Oben und Unten, indem die Dachkonstruktion des Gebäudes in einer Fadeninstallation eine Spiegelung erfährt. Das Durchdringen von Gegensätzen, von Innen- und Außenraum, von Leichtigkeit und Schwere, Geschlossenheit und Offenheit stellt das Grundthema... Entworfen wird eine Utopie der Freiheit."

Dr. Annegret Rittmann, Münster, in: Katalog „zelten und türmen – Christine Hoffmann“, Greven 2003


Zur Installation "Freiraum", 1996

"Der erste Blick auf Arbeiten von Christine Hoffmann eröffnete Einsichten in ein Grundprinzip ihrer Arbeitsweise: Das Herstellen eines Zwischenraumes. ... Erst die im Zeigen sich offenbarende Fragwürdigkeit ist eine der grundlegenden Voraussetzungen für den zweiten Blick."

Prof. Rolf Thiele, Hochschule der Künste Bremen, Bremen 1996